Sozialleistungsbericht 2009

Vorgestellt am 25. August 2010
Nach einer deutlichen Entspannung im Vorjahr hat sich die soziale Lage in Bielefeld 2009 wieder verschärft. Hauptverantwortlich dafür war die schwere Weltwirtschaftskrise, die mit ihren Auswirkungen den heimischen Arbeitsmarkt erreicht hat.
Die Folge: Neue Arbeitslosigkeit bei den einen und noch weniger Hoffung auf eine neue, auskömmliche Beschäftigung bei den anderen.

Um die belasteten Quartiere noch genauer identifizieren zu können, hat das Sozialdezernat einen neuen Indikator entwickelt, die sogenannte „Transferleistungsquote”. Darin finden sich neben den Beziehern von Arbeitslosengeld II auch die Empfänger von Sozialhilfe und Grundsicherung. Zwei markante Ergebnisse: Im – relativ kleinen – statistischen Bezirk Sieker leben beinah genauso viele Menschen von monatlichen Transferleistungen wie im gesamten Stadtbezirk Senne oder in den Stadtbezirken Dornberg und Gadderbaum zusammen. Im statistischen Bezirk Baumheide bekommen mehr Menschen regelmäßige staatliche Unterstützung als im gesamten Stadtbezirk Jöllenbeck.

Aber auch einige andere Ergebnisse des neuen Berichtes lassen durchaus aufhorchen:
  • Die Zahl der Haushalte mit Kindern ist in Bielefeld auch 2009 wieder zurückgegangen (minus 253). Gleichzeitig ist die Zahl der Familien mit Kindern, die Hartz IV beziehen, um 252 gestiegen. Die Schere geht also deutlich auseinander.
  • Der Anteil der SGB II-Bedarfsgemeinschaften mit Kindern an allen Haushalten mit Kindern ist binnen eines Jahres um einen ganzen Prozentpunkt auf 19,6 Prozent gestiegen. Das heißt: Jeder fünfte Bielefelder Haushalt mit Kindern lebt von Arbeitslosengeld II. Das stützt die These einiger Sozialforscher, nach der Kinder ein Armutsrisiko sind.
  • Knapp die Hälfte aller alleinerziehenden Haushalte in Bielefeld ist auf Hartz IV angewiesen. Über 92 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen.
  • Je jünger die Kinder in Bielefeld sind, desto größer wird der Anteil derjenigen, die auf finanzielle Unterstützung des SGB II angewiesen sind. Mehr als jedes vierte Kind unter sechs Jahren lebt in Bielefeld von Hartz IV. Im Stadtbezirk Mitte ist es fast jedes dritte Kind unter sechs Jahren.
  • Personenscharf betrachtet ist die Gruppe der arbeitslosen Jugendlichen 2009 beinah doppelt so stark angestiegen wie die der Über-55-Jährigen und hat diese jetzt zahlenmäßig überholt. Damit rückt das Problem der Jugendarbeitslosigkeit wieder stärker in den Fokus.
  • In der Tagesbetreuung für Kinder wird deutlich, dass die Eltern eindeutig zur Buchung der 45-Stunden-Variante tendieren, sprich zur Ganztagsbetreuung inklusive Mittagessen. Die gilt insbesondere auch für die kleinsten Besucherinnen und Besucher unter drei Jahren.

Weitere spannende Ergebnisse mit den entsprechenden Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen finden Sie im Gesamtbericht. Er setzt sich aus drei Teilen zusammen: dem Geschäftsbericht 2009 des Sozialdezernates, der Analyse von Sozialdaten sowie einem umfänglichen Statistikteil mit vielen kleinräumigen Daten. Letztgenannter bietet allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, die Entwicklung einzelner sozialer Indikatoren im eigenen Wohnumfeld zu betrachten.


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Norbert Wörmann
Stab Dezernat 5 (Soziales)
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